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Hamburger Abendblatt – Kreis Segeberg will fahrerlose Busse testen

Hamburger Abendblatt vom 24.02.2017 / Bericht: Frank Knittermeier

Die automobile Zukunft soll in Schleswig-Holstein beginnen. Modellprojekt könnte Ende 2018 starten. Politik signalisiert Zustimmung:

Gero Storjohann MdB ist optimistisch

Gero Storjohann, CDU-Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Verkehrsausschuss, hält das für möglich. „Wenn das Konzept lückenlos ist, sollte es eine offizielle Genehmigung für das Pilotprojekt geben; ich habe mich im Verkehrsministerium informiert.“

Wahlstedt – Die automobile Zukunft Deutschlands soll im Kreis Segeberg beginnen. Ende 2018 könnten hier in Schleswig-Holstein die ersten führerlosen Busse fahren. Daran glauben viele Verkehrsexperten, die jetzt den ersten Schritt in diese Richtung machen wollen. Das Berliner Projektbüro Autobus wird im Auftrag des Kreises Segeberg und der Stadt Wahlstedt ein Gutachten erstellen, damit ein Pilotprojekt in der 9000-Einwohner-Stadt Wahlstedt gestartet werden kann.

Die Stadt Wahlstedt und der Kreis Segeberg wollen gleich die ganz große Nummer fahren. Unter den fünf in Europa und den USA eingeführten Autonomiestufen wollen sie die höchste Stufe. Das bedeutet: Zwischen Ortsmitte und Bahnhof sollen Kleinbusse verkehren, die völlig ohne Fahrer auskommen.

Außer dem Festlegen des Ziels und dem Starten des Systems ist dann menschliches Eingreifen nur noch möglich, wenn Fahrgäste auf einen von mehreren in Reichweite installierten roten Knöpfen drücken, um die Notbremsung in Gang zu setzen. Die Busse verkehren völlig selbstständig und pendeln zwischen den Zielen hin und her. Die mit Elektromotoren ausgestatteten Busse können bis zu 15 Personen aufnehmen.

Für Verkehrsplaner Claudius Mozer von der SVG Südwestholstein ÖPNV-Verwaltungsgemeinschaft ist die Zukunft in greifbare Nähe gerückt. Er hält das Umsetzen der Idee für machbar. „Das ist keine Utopie, sondern Realität“, sagt der Verkehrsfachmann, der sich von dem Wahlstedter Projekt eine Initialzündung erhofft. „Wir wünschen uns eine Übertragbarkeit auch auf andere Orte im Kreis Segeberg und darüber hinaus.“ Seiner Ansicht nach könnte es von der Auftragsvergabe des Gutachtens bis zum Einsatz des ersten Autonombusses zwei Jahre dauern.

Noch ist nirgendwo ein führerloser Bus im Einsatz

Mit diesem Projekt haben sich der Kreis Segeberg und die Stadt Wahlstedt ein großes Ziel gesetzt: Ein führerloser Bus ist in Deutschland bislang noch nirgends im öffentlichen Straßenverkehr im Einsatz. Das würde auch gar nicht funktionieren, weil es bis jetzt noch keine gesetzliche Grundlage dafür gibt. Seit Sommer 2016 arbeitet das deutsche Verkehrsministerium an einem Gesetzentwurf zum automatisierten Fahren. Eine im Ministerium angesiedelte Ethik-Kommission hat die Aufgabe, Leitlinien für die Programmierung automatisierter Fahrsysteme zu entwickeln.

Bereits im Mai 2015 hatte der Bundesrat die Regierung aufgefordert, zusätzlich zu einer Teilstrecke der südlichen Autobahn 9 zügig weitere Strecken für autonomes Fahren zuzulassen. Das aber ist bisher noch nicht geschehen. Aber: Am 25. Januar 2017 hat die Bundesregierung auf Drängen der Daimler AG einen Gesetzentwurf beschlossen, der autonomes Fahren auf den Straßen des Landes unter bestimmten Voraussetzungen zulassen soll.

Für Wahlstedt könnte eine andere Regelung in Betracht kommen: Da es sich um ein deutschlandweites Pilotprojekt handeln würde, könnte eine Ausnahmeregelung für autonomes Fahren erteilt werden. Gero Storjohann, CDU-Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Verkehrsausschuss, hält das für möglich. „Wenn das Konzept lückenlos ist, sollte es eine offizielle Genehmigung für das Pilotprojekt geben; ich habe mich im Verkehrsministerium informiert.“ Auch Nahverkehrsplaner Claudius Mozer hält das für einen gangbaren Weg.

Erfahrungen mit autonomen Elektrobussen gibt es trotzdem: Bereits heute ist der Betrieb selbststeuernder Busse und Transporter auf Privatgelände möglich. Darauf weist das Projektbüro Autobus hin. Insbesondere eignen sich Gelände großer Kliniken, Freizeitparks, Fabrikgelände oder andere Standorte, bei denen der allgemeine Kfz-Verkehr beschränkten Zugang hat, gut. Die Berliner Verkehrsexperten gehen davon aus, dass der Betrieb von Buslinien auf wenig befahrenen Straßen mit geringer Höchstgeschwindigkeit der nächste logische Schritt ist. „Unter diesen Rahmenbedingungen ließen sich Zubringerlinien innerhalb von Ortschaften zum nächsten Bahnhof oder Verknüpfungspunkt des ÖPNV aufbauen“, sagt Conrad Pitzen, Mitbetreiber des Berliner Projektbüros. „Autonome Busse könnten vor allem Zubringerdienste leisten.“

Studie für 11.000 Euro soll beauftragt werden

Der Kreis Segeberg und die Stadt Wahlstedt sind bereit, rund 11.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie auszugeben. Auf Kreisebene befasst sich der Umwelt- und Verkehrsausschuss am Mittwoch, 1. März, mit dem Thema. Bisher gibt es keine kritischen Stimmen aus den Reihen der Politiker, es wird Zustimmung signalisiert. „Im Ergebnis ließen sich so wichtige verkehrs- und umweltpolitische Ziele erreichen“, heißt es in der Vereinbarung. „Zudem könnte dieser Ansatz Modellcharakter haben und Impulse für weitere Anwendungen geben.“

Die Holländer und Schweizer sind bereits einen Schritt weiter: Fahrerlose Minibusses pendeln seit November im holländischen Wageningen im normalen öffentlichen Verkehr. In Witten in der Schweiz werden autonome Busse seit Juni 2016 im Bereich der Altstadt eingesetzt.

Für die Navigation der Busse werden neben GPS auch Kameras, Radar- und Lasertechnologie genutzt. Die Überwachung erfolgt aus einer Zentrale, in der alle Daten zusammenlaufen. Die Routen werden entsprechend den Zu- und Aussteigewünschen der Fahrgäste zusammengestellt. Per Handy-App können die Fahrgäste ihre Ziele und Fahrzeiten anmelden. Ob all das auch im Kreis Segeberg möglich ist, soll das Berliner Projektbüro herausbekommen. „Es hat bisher keine Unfälle und keine Panik unter den Fahrgästen gegeben“, sagt Conrad Pitzen. „Tatsächlich können die Busse mithilfe von Sensoren den Verkehr viel genauer beobachten und berechnen als Fahrer. Wer in einen solchen Bus steigt, kann sich absolut sicher fühlen.“